50 Jahre Welthungerhilfe – eine bewegte Geschichte
"Ein großer Teil der Menschheit lebt nur eine Dürre, eine Überflutung, einen Ernteausfall vom Hungertod entfernt", stellte Binay Ranjan Sen, der ehemalige Generaldirektor der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, fest. 1960 initiierte er deshalb eine weltweite Kampagne gegen Hunger und Armut.
Die "Freedom from Hunger Campaign" stieß auch in Deutschland auf großes Interesse. Der damalige Bundespräsident, Heinrich Lübke, beantwortete den Aufruf der FAO 1962 mit der Gründung des "Deutschen Ausschusses für den Kampf gegen den Hunger". Der Grundstein der Welthungerhilfe war gelegt. 1967 wurde das Gremium in "Deutsche Welthungerhilfe" umbenannt und 1968 als gemeinnütziger, unabhängiger Verein eingetragen.
Heute, fast 50 Jahre später, ist die Welthungerhilfe eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Sie ist politisch und konfessionell unabhängig und durch ihre Mitgliedsorganisationen, Spender und Unterstützer breit in der deutschen Gesellschaft verankert.
Die Anfänge: Nothilfe im Vordergrund
Seit ihrer Gründung setzt sich die Welthungerhilfe für eine gesicherte Ernährung aller Menschen ein. Anfangs stand die Nothilfe im Vordergrund, wie beispielsweise während der großen Dürre in der Sahelzone zwischen 1968 und 1973. Hilfe zur Selbsthilfe konnte nur in kleinem Umfang und mit Unterstützung anderer Entwicklungsinstitutionen gefördert werden. Doch schon zu Beginn der siebziger Jahre konnten durch wachsende Spendeneinnahmen und öffentliche Fördergelder auch nachhaltige Entwicklungsprojekte finanziert werden. Die Welthungerhilfe hat sich immer als lernende Organisation verstanden. Sie überprüfte im Laufe der Jahre regelmäßig ihre eigenen Strukturen auf Effizienz und Wirksamkeit.
Selbstverständnis als lernende Organisation
In den neunziger Jahren wurden beispielsweise die Bereiche Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit in einer Abteilung nach Ländern gruppiert zusammengefasst. Ein rund um die Uhr einsatzbereites Experten-Team für Katastrophen-Fälle wurde aufgestellt. Ein ganzheitliches Konzept wurde entwickelt, das den Prozess von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis hin zu langfristig angelegten Entwicklungsprojekten festlegt. So konnte sich die Welthungerhilfe als ein Partner etablieren, dessen Arbeit professionell, nachhaltig und verlässlich ist.
Vielen Dank, liebe Spender und Unterstützer
Große Herausforderungen entstehen für eine Hilfsorganisation jedoch nicht nur in den Projektländern. Dankbar schaut die Organisation auf 50 Jahre zurück, in denen Spender und öffentliche Geldgeber ihr großes Vertrauen entgegengebracht haben. Am Anfang wurde noch mit Handzetteln geworben und informiert. Aufgeschlossen ist die Welthungerhilfe auch hier mit der Zeit gegangen. So hat die Gründung einer Stiftung Deutsche Welthungerhilfe 1998 neue Fördermöglichkeiten für Unterstützer erschlossen. Und mit modernen Medien wie dem Online-Netzwerk "123WIR!" macht die Welthungerhilfe Entwicklungszusammenarbeit direkt und multimedial erlebbar.
Das Erfolgreiche bewahren
In all den Jahren hat sich jedoch eines nicht geändert: Wir leisten immer noch Hilfe zur Selbsthilfe, vor allem für die Landbevölkerung in Entwicklungsländern. So betont auch der heute amtierende Generalsekretär der Welthungerhilfe, Dr. Wolfgang Jamann: “Der Kampf gegen den Hunger wird auf dem Land entschieden. Zwei von drei Hungernden leben in ländlichen Gebieten“. Ländliche Entwicklung, der Erhalt der natürlichen Ressourcen in Entwicklungsländern und die unmittelbare Zusammenarbeit mit den Menschen sind der Welthungerhilfe damals wie heute ein Grundanliegen. Deshalb verbindet sie Partner in Deutschland und in Asien, Afrika und Lateinamerika zu einem dynamischen globalen Netzwerk. Sie stärkt sich in nationalen und internationalen Bündnissen wie der Alliance2015. So können wir im Kampf gegen Hunger und Armut alle Kräfte bündeln und auch auf dem politischen Parkett Wirkung erzielen. Sie veröffentlicht international anerkannte Berichte und Studien wie z.B. den Welthunger-Index.
Kompetent, verlässlich und transparent hat die Welthungerhilfe bis heute mit gut 2,25 Milliarden Euro rund 4.500 Selbsthilfeprojekte, 1.100 Projekte für Kinder und Jugendliche und über 1.000 Nothilfeprogramme in 70 Ländern gefördert. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen zeichnet die Welthungerhilfe für ihren sparsamen und transparenten Umgang mit Spenden seit Jahren aus. Darauf sind wir stolz.
Blick in die Zukunft
Im Jubiläumsjahr blicken wir optimistisch in die Zukunft. Wir wissen, dass langfristige, nachhaltige und vor allem erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit möglich ist. Viele Projekte und ganz konkrete Aktionen der Welthungerhilfe belegen das eindrucksvoll.
Dass weltweit immer noch fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden, verlieren wir dabei nicht aus dem Blick. Deshalb stehen wir auch im Jubiläumsjahr 2012 umso deutlicher für unsere Überzeugung ein und sprechen ganz öffentlich und deutlich an, was so häufig vergessen wird: Alle Menschen – auch in den Entwicklungsländern – haben die Chance verdient, ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu führen. Es ist möglich!


