Stadtgärten gegen leere Bäuche
14 lange Jahre dauerte der Bürgerkrieg in Liberia. Blutig war er und grausam. Viele Menschen sind aus ihren Heimatdörfern geflohen, um in der Hauptstadt Monrovia Schutz und Arbeit zu suchen. Gewalt ist eine Ursache der Landflucht, die in vielen afrikanischen Städten zu Ausnahmezuständen führt. Denn selten werden die Zufluchtsorte den Erwartungen der Landflüchtigen gerecht. Viele finden dort vor allem Hunger, Armut und Unterversorgung.
Auch Monrovia bietet nur wenigen Menschen ein gutes Auskommen. 85 Prozent der Einwohner lebt von beinahe nichts. Nahrungsmittel sind in der Millionenstadt zwar vorhanden, aber zu teuer und deshalb nur für wenige erschwinglich. Und das, obwohl Liberia eigentlich ein fruchtbares Land ist. Doch Krieg und Gewalt haben die Infrastruktur zerstört und die Menschen traumatisiert. Nun müssen viele Waren importiert werden: Reis aus China, Eier aus Indien, Geflügel aus Brasilien. Das ist teuer. Viel besser wäre es, wenn die Menschen ihre Nahrungsmittel selbst anbauen würden. Das dachte sich auch die Welthungerhilfe, als sie 2009 mit Unterstützung der Europäischen Union ein Stadtgarten-Projekt in Monrovia begonnen hat.
Seither ist viel geschehen: Brachliegende Flächen sind ausfindig und für den Gemüseanbau brauchbar gemacht worden. Mehrere tausend Menschen pflanzen mittlerweile Gemüse in Plastikschalen in ihrem Hinterhof oder auf ganzen Landstücken in städtischem Brachland an. Dünger können sich die wenigsten leisten. Das müssen sie auch nicht, denn die Stadt wirft eine Menge organischen Müll ab, der recycelt werden kann. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass viel weniger Müll auf den Straßen liegt. Aber vor allem wird durch das frische Gemüse die Ernährung viel ausgewogener. „Das ist vor allem für die Entwicklung der Kinder wichtig. Sie sind viel seltener krank und sterben nicht mehr so häufig an heilbaren Krankheiten. Außerdem beziehen wir in dem Projekt Jugendliche aus Randgruppen ein. Das hat sehr positive Auswirkungen auf den sozialen Frieden“, sagt Projektleiter André Stedtler.
Noch immer wird ein Großteil der Nahrungsmittel auf dem Land produziert. Doch es braucht Engagement und gute Ideen, um die Versorgungsprobleme in den boomenden Städten in den Griff zu bekommen. Die städtische Landwirtschaft, wie sie die Welthungerhilfe in Monrovia eingeführt hat, bietet eine einfache Lösung. Und sie funktioniert – das zeigen die Kübel frischen Gemüses, den die Stadtbewohner ernten können.


